Datensicherheit von Messenger-Apps

November 2016

Messenger-Apps sind heutzutage angesagt. Die meisten Smartphone-Besitzer nutzen WhatsApp. Doch nicht alle Apps sind sicher.

Ende der SMS-Ära

2009 brachten Jan Koum und Brian Acton WhatsApp auf den Markt. Dies leutete den Anfang vom Ende der SMS-Ära ein. WhatsApp ist bis Dato die meistgenutzte Messenger-App. Zunächst war nicht allen Mobilfunkanbietern klar, was dies bedeutete. SMS-Kurznachrichten waren über die vergangenen 25 Jahre eine wahre Goldgrube für diese Konzerne.

Die Übermittlung kostete die Konzerne praktisch nichts, denn die Datenmenge für die 160 Zeichen langen Mitteilungen ist im Gegensatz zu Sprachdaten absolut gering. Deshalb war anfangs die Übermittlung auch noch komplett kostenlos. Bis 2012 verschickten die deutschen Handynutzer über 160 Millionen Nachrichten pro Tag. Dann wurde alles anders.

Platzhirsch WhatsApp

Dem britischen Marktforschungsunternehmen Informa zufolge wurden 2012 weltweit mehr Nachrichten über Messenger-Apps verschickt als per traditioneller SMS. WhatsApp als Marktführer zählte im Januar 2015 weltweit 700 Millionen Nutzer. So ganz verschwunden ist die SMS aber trotz des Messenger-Erfolges nicht. Hauptgrund dafür: SMS-Nachrichten sind viel sicherer.

SMS sicherer als Messenger

Bei der Verwendung der SMS dürften die Nutzer davon ausgehen, dass Dritte die Nachrichten nicht mitlesen können. Allein der vorgesehenen Empfänger kann den Inhalt der Nachricht sehen bzw. lesen. Bei Messengern sieht das hingegen völlig anders aus. Am Anfang von WhatsApp wurden fast monatlich neue Sicherheitslücken entdeckt. Zunächst war die Kommunikation komplett unverschlüsselt und wurde in Klartext übertragen. Kurze Zeit später ließ sich der User-Status fremder Accounts ganz einfach über eine öffentlich zugängliche Internetseite ändern.

Vorteile von Messenger-Apps

Auch die Verschlüsselung lief nicht immer gut. Mal wurden etwa die Mobilfunknummern nicht chiffriert übertragen. Mal war der Chiffrierkey leicht auslesbar. Cyberkriminelle konnten so nicht nur die komplette Kommunikation abhören, sondern sogar im Namen des Opfers Nachrichten an andere verschicken.

WhatsApp und seine Konkurrenz sind zwar durchaus sicherer geworden - doch nicht alle verwenden eine sichere Verschlüsselung. Nichts­des­to­trotz: IP-basierte Messenger-Apps bringen ein großes Plus an Komfort mit sich, worauf die meisten Nutzer nicht mehr verzichten wollen.


Ein Zeichenlimit gibt es nicht, Multimedia-Dateien können ganz bequem in wenigen Schritten gesendet werden, der Nachrichtenverlauf wird chronologisch angezeigt und vieles mehr.

Welche Messenger-App ist die richtige?

Dass Messenger-Apps viele Vorteile gegenüber der herkömmlichen SMS bieten, scheint klar. Die entscheidende Frage lautet: Welcher Dienst ist der richtige? Die Zahl der IP-Messenger-Apps ist groß. Die Enthüllungen des Ex-NSA-Agenten Edward Snowden haben gezeigt, dass die Geheimdienste den sogenannten Full-Take-Ansatz gegen Messenger fahren: Sie lesen alle Daten aus, die sie in die Hand bekommen.

Der Messenger Threema setzt auf eine sichere Verschlüsselung und auf Server in der Schweiz, wo ein direkter Zugriff durch US-Dienste unmöglich ist. Auch andere Dienste nutzen eine solche geschützte Verbindung, wie zum Beispiel WhatsApp, Telegram und Viber. Bei Letzterem ist allerdings unbekannt, in welchem Land die Server stehen. Bei Telegram gilt eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur dann, wenn diese aktiviert wird und der Empfänger zur gleichen Zeit die App geöffnet hat - spontane Nachrichten können somit nicht gesendet werden.

Die meisten der Messenger-Apps nutzen Server innerhalb der USA, was durchaus zu datenrechtlichen Problemen führen kann, denn dort können die Geheimdienste die Weitergabe von Daten erzwingen - egal ob diese verschlüsselt sind oder nicht. In Europa sind die Hürden für solche Spionageaktivitäten wesentlich höher.


WhatsApp fällt immer wieder mit Datenschutzproblemen auf, arbeitet aber seit der Übernahme durch Facebook eng mit der Sicherheitsfirma Whisper Systems zusammen. Das Ergebnis: Eine Ende-zu- Ende-Chiffrierung der WhatsApp-Daten per asynchronem Transfer, was eine sichere Übertragung garantiert.

Zuverlässige Chiffrierung ist momentan allerdings nur in der Android-Version enthalten. iPhone-User verwenden weiterhin eine veraltete, unverschlüsselte Version des Übertragungsprotokolls. Wann genau auch iPhone-User mehr Sicherheit genießen können, ist bislang noch unklar.

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