Netflix mit Werbung: Wie viel kostet das neue Abo und was bietet es?

Netflix will dem massiven Verlust von Kunden nun mit einem neuartigen Abonnement entgegenwirken. Ab dem 3. November 2022 wird es zum ersten Mal ein Netflix-Abo mit Werbung geben. Das neue Basis-Abo mit Werbung soll 4,99 Euro kosten und neue und alte Abonnenten locken, denen der Streaming-Dienst bisher zu teuer war oder die wegen der Preise abgesprungen waren.

Neues Netflix-Abo gegen Kundenschwund

Netflix startet zum 3. November 2022 um 17 Uhr ein billigeres Angebot, das neue Basis-Abo mit Werbung. Das Angebot ist zunächst in zwölf Ländern verfügbar, darunter Deutschland, allerdings nicht in Österreich und in der Schweiz. Der Streaming-Dienst verlangt dafür 4,99 Euro pro Monat, drei Euro weniger als das Basis-Abo ohne Werbung.

Bisher hatte Netflix Werbung abgelehnt, aber angesichts des dramatischen Verlusts von Abonnenten, hat sich der Streaming-Dienst diesen Kompromiss ausgedacht. Damit will Netflix verhindern, dass noch mehr Abonnenten die Plattform verlassen, und gleichzeitig versuchen, neue Abonnenten zu gewinnen.

Netflix-Basis-Abo mit Werbung: Vorteile und Nachteile

Das neue Netflix-Basis-Abo mit Werbung wird zusätzlich zu den drei bestehenden Abo-Plänen angeboten, die weiterhin verfügbar sein werden. Das Basis-Abo mit Werbung wird das günstigste Angebot der Plattform sein und deshalb ist natürlich ohne die Möglichkeit, einen kostenlosen Probemonat zu nutzen. Im Bezug auf die Werbung gelten die folgenden Bedingungen: Erstens wird vor und während des Abspielens von Inhalten Werbung von 15 bis 30 Sekunden gezeigt. Zweitens werden pro Stunde vier Minuten Werbung gezeigt, die nicht übersprungen werden kann. Alle Details finden Sie auf dieser offiziellen Netflix-Website).

Mit der neuen Billig-Flatrate kann Netflix auf nur auf einem Gerät (Smart TV, PC, Smartphone oder Tablet) mit maximal HD-Auflösung angesehen werden. Full-HD- und 4K-UHD-Auflösung sind für die Abo-Varianten Standard und Premium reserviert. Es ist nicht möglich, Inhalte offline anzusehen, ebenso wie beim Basis-Abo ohne Werbung.

Außerdem ist zu beachten, dass das Programmangebot im Vergleich zu dem der anderen Abos eingeschränkt ist. Auf der Netflix-Website heißt es: "Eine begrenzte Anzahl von Filmen und Serien wird aus Lizenzgründen nicht verfügbar sein (aber wir arbeiten daran)". Es ist nicht klar, um welche Inhalte es sich handelt, aber einige gehen davon aus, dass 15 Prozent des Katalogs betroffen sind.

Auf der anderen Seite können Kunden des neuen Basis-Abos mit Werbung auch auf die Netflix-Videospiele zugreifen, obwohl diese Sparte nicht zu den Stärken der Plattform gehört.

Ein wichtiges Detail: Netflix hat klargestellt, dass Profile von Kindern keine Werbung anzeigen. Das ist eine gute Nachricht, auch weil die Werbung gezielt eingesetzt werden kann. Auf der FAQ-Seite von Netflix heißt es dazu:
"Um Werbetreibenden zu helfen, die richtige Zielgruppe zu erreichen und sicherzustellen, dass die Werbung für die Zuschauer*innen relevant ist, werden wir umfassende Targeting-Möglichkeiten nach Land und Genre (z. B. Action, Drama, Romantik, Science-Fiction) anbieten. Werbetreibende können außerdem verhindern, dass ihre Werbung bei Inhalten erscheint, die mit ihrer Marke nicht im Einklang stehen (z. B. Sex, Nacktheit oder Gewaltdarstellungen)."

Durch die Einführung von Werbung wird das Abonnement zwar billiger, aber es stellt sich auch die Frage der Verwendung von Nutzerdaten, da Netflix Ihnen personalisierte Werbung anzeigen kann. Prognosen zufolge könnte die Werbung Netflix etwa 8,5 Milliarden Dollar pro Jahr einbringen. Dazu kommen Einnahmen aus der Verwaltung von Anzeigen von Microsoft verwaltet. Mit Microsoft hatte Netflix vor einigen Monaten eine entsprechende Partnerschaft vereinbart.

Mit dieser neuen Formel will Netflix nun also den Trend der letzten Monate umkehren, neue Nutzer gewinnen und diejenigen, die die Plattform verlassen haben, wieder zurückholen. Ob das gelingt, wird sich wohl erst in einigen Monaten zeigen.

Netflix: Ursachen für den Verlust von Abonnenten

2022 hatte Netflix zum ersten Mal in seiner Geschichte Abonnenten verloren (etwa eine Million im zweiten Quartal des Jahres). Ein beunruhigender Gegentrend nach dem Boom während der Pandemiemonate. Allerdings verlor Netflix allein 700.000 Nutzer in Russland durch die Einstellung des Dienstes aufgrund der Sanktionen infolge des Krieges in der Ukraine.

Um weiterhin eigene Inhalte zu produzieren, die die Plattform populär gemacht haben, hatte Netflix 2021 die Preise für Abonnements weltweit erhöht: Das Standard-Abonnement wurde von 11,99 auf 12,99 Euro pro Monat angehoben und das Premium-Abo wurde zwei Euro teurer, es stieg von 15,99 auf 17,99 Euro. Viele Kunden waren verärgert und kündigten.

Ein weiterer Grund für die Krise von Netflix ist die wachsende Konkurrenz durch andere Plattformen wie Amazon Prime Video und Disney+, die sich einen schnell einen soliden Marktanteil erobert haben. Mit Paramount+, das im Dezember 2022 in Deutschland starten soll, steht schon der nächste Streaming-Dienst vor der Tür. Dazu kommen weniger zugkräftige Inhalte durch den Ablauf von Lizenzen und der Sparzwang der Kunden durch die steigende Inflation.

Neue Strategien von Netflix

Um auf die neuen Bedürfnisse der Nutzer zu reagieren, hat der Streaming-Riese drei strategische Neuerungen beschlossen, die deren bisherige Sehgewohnheiten herausfordern: erstens Werbung, zweitens Live-Streaming (wie beim Fernsehen oder bei Twitch) und drittens die mögliche Einschränkung gemeinsam genutzter Accounts.

Live-Streaming auf Netflix

Die zweite große Strategie von Netflix ist die Ausstrahlung von Live-Streaming-Inhalten. Das berichtete das gut informierte US-amerikanische Branchenmagazin Deadline exklusiv im Mai 2022. Laut dem Artikel will Netflix vor allem Improvisations-Shows und Stand-up-Comedy live anbieten. Dabei soll es sich um exklusive Inhalte handeln, ähnlich wie die auf anderen beliebten Plattformen wie Twitch, das zu Amazon gehört, oder auf traditionellen Fernsehkanälen.

Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass Netflix sein Live-Programm auch mit Musik-Events oder Sportsendungen anreichern wird, so wie es Amazon bereits mit Champions-League-Spielen live auf Prime Video tut. Das Ziel ist immer, die Abwanderung von Abonnenten zu stoppen und neue Zuschauer zu gewinnen. Im Gegensatz zum Netflix-Basis-Abo mit Werbung, das jetzt schon startet, werden die Live-Streaming-Programme frühstens 2023 erwartet.

Gemeinsame Netflix-Konten gegen Gebühr

Um seine Finanzen zu sanieren, wird Netflix ab 2023 das Teilen von Abo-Konten berechnen. Bislang tolerierte Netflix diese Praxis, die innerhalb der Familie sinnvoll und erlaubt ist, weil die verschiedenen Mitglieder so ihre jeweiligen Lieblingsinhalte mit ihrem eigenen Profil auf ihrem eigenen Gerät ansehen können. Allerdings nutzen nicht nur Familien diese Möglichkeit: Nutzer aus unterschiedlichen Haushalten teilen sich ein Netflix-Abo, um Kosten zu sparen.

Das soll 2023 vorbei sein. Netflix ist offenbar entschlossen, nun auch Nutzer von geteilten Accounts zur Kasse zu bitten. Rein technisch kann der Streaming-Dienst die gleichzeitigen Verbindungen desselben Kontos ganz einfach anhand der IP-Adressen identifizieren und lokalisieren. In einigen lateinamerikanischen Ländern (Argentinien, Guatemala, Honduras und El Salvador) hat Netflix die Sonderzahlung getestet. Auch in Deutschland soll bald jedes Profil, das einem Netflix-Konto hinzugefügt wird, 2,99 Euro pro Monat kosten.

Diese Neuheit, die den Nutzern sicher nicht gefallen wird, soll 2023 weltweit auf den Markt kommen, wobei Netflix noch kein offizielles Datum genannt hat. Allerdings könnte diese Strategie auch nach hinten losgehen, vor allem wenn andere Streaming-Wettbewerber gemeinsame Profile weiterhin tolerieren.

Foto: © Pixabay.

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