Nach Amoklauf: Debatte um Darknet

grasil am Dienstag 26. Juli 2016 01:34:51

Nach Amoklauf: Debatte um Darknet

Der Täter von München hatte seine Waffe aus dem Darknet. Nun wird der Ruf nach mehr Kontrolle lauter.

(CCM) — "Hallo, ich suche nach einer Glock 17 mit insgesamt 250 Schuss Munition": Mit dieser Nachricht suchte der 18-jährige Ali David Sonboly schon ein Jahr vor seinem Amoklauf nach der Tatwaffe - und zwar im Darknet, einem anonymen Bereich des Internets. Nun wird der Ruf nach einer Kontrolle des Darknets lauter. Doch geht das überhaupt?

Normale Suchmaschinen können die Seiten, auf denen Waffen, Sprengstoff, Drogen, Kinderpornographie, Hacker und Auftragskiller gekauft werden können, nicht finden. Die Nutzer, die unter Codenamen kommunizieren und ihre Nachrichten verschlüsseln, verbinden ihre Computer untereinander in sogenannten Friend-to-Friend-Netzwerken (F2F). In die Netze kommt man nur auf Einladung der Betreiber.

Um ins Darknet zu gelangen, braucht man spezielle Software, wie zum Beispiel den Tor-Browser, der die IP-Adresse verbirgt und damit die Identität des Nutzers verschleiert sowie jede Anfrage über mehrere Server leitet, um sie nicht zurückverfolgen zu können. Die Serverketten werden außerdem alle paar Minuten verändert. Eine Adresse liegt nicht wie sonst unter einer klaren Adresse auf einem einzigen Server, sondern die Daten werden ständig dynamisch unter allen Teilnehmern verteilt.

Im positiven Sinne kann das Darknet von politischen Dissidenten und investigativen Journalisten zum sicheren Datenaustausch und zur Informationsbeschaffung benutzt. Das passiert ohne jede Kontrolle und Möglichkeit der Einmischung von außen. Auch Bezahlvorgänge könnn nicht überwacht werden, da sie die Nutzer in der digitalen und anonymen Währung Bitcoin abwickeln. Die einzige Möglichkeit, die Vorgänge, die überdies nicht protokolliert werden, zu überwachen, ist es, eine verdächtige Person gezielt zu überwachen.

Trotzdem gelingen den Sicherheitsbehörden vereinzelt Festnahmen von Betreibern illegaler Seiten im Darknet. Die Bundesregierung will außerdem ab 2017 eine neue "Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich" (Zitis) einrichten, um auch das Darknet kontrollierbarer machen.

Foto: © guteksk7 - Shutterstock.com


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