Julien Lesaicherre über Facebook at Work

PeterCCM am Freitag 16. Oktober 2015 17:17:38

Julien Lesaicherre über Facebook at Work

EMEA-Chef von Facebook at Work Julien Lesaicherre möchte Mitarbeiter rund um den Globus vernetzen. Ein Exklusivinterview.

CCM: Wie positionieren Sie Facebook at Work?

Julien Lesaicherre: Facebooks Mission ist es, die Welt und die Menschen zu verbinden. Wir blicken heute auf 1,5 Milliarden Nutzer unseres sozialen Netzwerks. Aber es muss auch erwähnt werden, dass wir Facebook unternehmensintern fast seit Firmengründung nutzen, um zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Dank dieser Erfahrung haben wir verstanden, dass ein offenes Unternehmen auch ein produktives und schnelles Unternehmen ist, das in der Lage ist, Innovationen als erster einzuführen. Dieses Instrument hat es uns ermöglicht, flexibel zu bleiben, selbst als Facebook zu einem großen Konzern wurde. Heute zählen wir 10 000 Beschäftigte.

Gleichzeitig haben wir bemerkt, dass Hunderttausende Firmen mit Facebook arbeiten - von Start-Ups bis hin zu großen Konzernen. Das betrifft eine Zahl von Berufstätigen im Hundertmillionen-Bereich. Sie können auf Facebook-Gruppen zurückgreifen, um sich zu organisieren, oder beispielsweise über den Facebook Messenger oder WhatsApp kommunizieren. Wir haben Berufstätige gefragt, warum sie Facebook nutzen und sie haben uns erklärt, dass die Einfachheit und die Leistung des Tools sie begeistert hat. Aber auch unsere Fähigkeit, am PC und an Mobilgeräten gleichsam zu überzeugen, wurde genannt. Also haben wir uns dazu entschlossen, unser internes Werkzeug zu kommerzialisieren. Und das mit einem Ziel: Die drei Milliarden Menschen der Arbeitswelt nach Facebook-Art miteinander zu vernetzen.

Anfang des Jahres haben Sie begonnen, Facebook at Work einigen Firmen zugänglich zu machen. Wo steht dieses Beta-Programm?

Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Firmen Zugang zu demselben Produkt haben, das bei uns intern angewandt wird. Der Dienst, den wir ihnen anbieten, ist folglich komplett nutzbar und funktionsbereit. Es handelt sich also nicht um eine Beta-Version. Von Anfang an wurde dieses Vorveröffentlichungsprogramm auf globaler Ebene initiiert mit dem Ziel, Feedback von Firmen verschiedener Größen, verschiedener Sektoren und verschiedener geographischer Ausrichtungen zu bekommen. Ab dem zweiten Quartal wurde das Programm auf eine größere Zahl Nutzer ausgeweitet. Heute beschäftigen sich in Europa mehrere Hundert Organisationen mit der Entfaltung von Facebook at Work.

Welche sind in diesem Zusammenhang Ihre wichtigsten Adressen?

Zu nennen sind da beispielsweise die deutsche E-Commerce-Seite Westwing [gehört zur Rocket Internet Gruppe Anm. d. Red.] und seine 2 000 Mitarbeiter, die israelischen Marketingexperten von Kenshoo oder auch made.com. Die Kommunikationsagentur Weber Shandwick ist im Begriff, Facebook at Work bei seinen 3 500 Beschäftigten weltweit zum Einsatz zu bringen. Auch der französische Konzern Raja, führender europäischer Verpackungshersteller und Arbeitgeber von 1 500 Menschen, verwendet das Tool.

Was sind die Hauptfunktionen von Facebook at Work?

Facebook at Work stützt sich auf drei Standbeine. Das erste ist das Facebookprofil, mittels dessen sich Kollegen vernetzen können. Diese Funktionalität übersteigt die eines Mitarbeiterverzeichnisses. Über die Identität eines Mitarbeiters hinaus wird ein dynamischer Blick auf sein Profil geboten: Aktivitäten im Netzwerk, die Gruppen, denen er angehört, die Personen, die ihm folgen, und so weiter. Das zweite Standbein ist vielleicht das wichtigste: die Gruppe. Gruppen können der gesamten Belegschaft einer Firma offen stehen oder geschlossen sein und somit zielgerichtet nur aus den Mitarbeitern bestehen, die das Thema betrifft. Geschlossene Gruppen können außerdem geheim, also nur für ihre Mitglieder sichtbar sein. In den Gruppen können Projekte geleitet oder die betriebliche Aktivität verwaltet werden und vieles mehr. Das dritte und letzte Standbein, der Work Chat, beinhaltet einen Instant-Messenger mit Text-, Audio- und Videofunktion sowie der Möglichkeit zur verschlüsselten Bildschirmfreigabe.

Über die Funktionalitäten hinaus ist Facebook at Work "mobile first". Es gibt das Tool im Web-Modus mit der Möglichkeit, eine URL nach dem Muster namederfirma.facebook.com zu erstellen. Aber es ist auch als App für Android und iOS verfügbar. Ein weiteres Sonderelement ist, dass die Gesamtheit der Inhalte in Form eines Inhaltsverzeichnisses zusammengefasst ist. Und es ist nicht nötig, einen Facebook-Account zu besitzen, um Facebook at Work zu nutzen. Es gibt keine Schnittstellen mit den öffentlichen Accounts. Das Tool ist außerdem mit den Unternehmensverzeichnissen LDAP und Active Directory kompatibel.

Wie sieht es mit der Sicherheit von Facebook at Work aus?

Jedes Firmenkonto liegt isoliert und abgesichert auf unserer Serverinfrastruktur und die haben wir vollkommen im Griff. Ich erinnere daran, dass wir unser Servernetzwerk komplett selber aufbauen. Facebook at Work wird zusammen mit einer Konsole für die Firmenadministratoren geliefert. Damit ist es dann möglich Benutzer hinzuzufügen, Gruppen zu verwalten...

Gibt es Neuigkeiten, was die Tarifierung des Werkzeugs anbelangt?

Facebook at Work wird es in der Form eines Freemium-Angebots geben. Das Modell befindet sich noch in der Entwicklungsphase [und somit stehen auch die Unterschiede zwischen Gratis- und Premium-Version noch nicht fest Anm. d. Red.].

In welchem Rhythmus wird es Aktualisierungen für Facebook at Work geben?

Wir folgen da der Logik eines kontinuierlichen Aktualisierungsprozesses der Funktionalitäten. Seit dem Start des Vorveröffentlichungsprogramms haben wir zu keiner Zeit damit aufgehört, User-Feedback zu sammeln. Wir profitieren enorm von den Erfahrungen, die wir aus kurzen und schnell aufeinanderfolgenden Andwendungszyklen schöpfen. Wenn uns eine Funktion von Facebook für Facebook at Work interessant erscheint, setzen wir das umgehend in die Tat um. Das war zum Beispiel der Fall bei IP-Telefonie über den Messenger oder der Bildschirmfreigabe, die von den Benutzern explizit angefragt wurde. So arbeitet indirekt das gesamte Unternehmen an diesem Projekt.

Würden Sie Facebook at Work als soziales Firmennetzwerk bezeichnen?

Nein, es handelt sich nicht um ein soziales Firmennetzwerk, sondern vielmehr um ein Instrument der Zusammenarbeit und der Produktivität. Das Soziale macht davon nur einen Teil aus. In der Tat ist Facebook at Work weitaus mehr als ein soziales Firmennetzwerk. Es beinhaltet Funktionen wie Videoanrufe oder die Bildschirmfreigabe, die es in Programmen für Firmennetzwerke nicht gibt. Einige unserer Partner, die das Vorveröffentlichungsprogramm testen, hatten zuvor auf solche Lösungen zurückgegriffen. Aber das hat nicht immer gut funktioniert und die Beteiligung war oft schwach.

Wir erhoffen uns, aus Facebook at Work die Startseite des Mitarbeiters zu machen. Des Weiteren ergänzt sich unser Tool mit anderen, beispielsweise mit der Office Suite via Web View oder der PDF Suite.

Julien Lesaicherre ist verantwortlich für Facebook at Work für die Region EMEA (Europa, Nahost und Afrika). 2014 fing er bei Facebook als leitender Entwickler der mobilen Plattform Parse für die Region EMEA an. Vor seiner Zeit bei Facebook war Lesaicherre bei Microsoft France für das Cloud-Angebot Azure zuständig.

Artikel von Antoine Crochet-Damais, ursprünglich publiziert auf JDN, Partnerseite von CCM.


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