So schützen Sie Ihre Daten im Internet

November 2016

Platzhirsche wie Google und Facebook machen mit den Nutzerdaten lukrative Geschäfte: Gesammelte Informationen werden für Werbefirmen oder Versicherungen zugänglich gemacht.

Kostenlose Dienste mit Tücken

Die meisten Online-Dienste sind zwar umsonst - aber sind sie auch tatsächlich kostenlos? Nein, erklärt der Journalist Steffan Heuer in seinem Buch "Mich kriegt ihr nicht! Die wichtigsten Schritte zur digitalen Selbstverteidigung".


Internetkonzerne machen mit den Daten ihrer Nutzer große Geschäfte, sagt Heuer - und zwar ohne die Erlaubnis Ihrer Kunden. Es gibt allerdings einige Hilfsmittel, um gegen die Datensammelwut im Netz vorzugehen.

Was ist so schlimm daran, wenn Internetfirmen meine Daten haben?

Internetfirmen sammeln heimlich Informationen über ihre Nutzer und legen sie in Identitätsdatenbanken an, erklärt Heuer. Diese Datenbanken verkaufen sie an Drittanbieter, wie zum Beispiel Werbefirmen, Versicherungen oder Banken. Drittanbieter nutzen diese Daten vor allem für personalisierte Werbung.

Wie werden Daten gesammelt?

Grundlage für die Datensammlung sind Tracking-Programme und Cookies. Cookies sind kleine Textdateien, die beim Aufrufen einer Webseite platziert werden. Über sie können die Seitenbetreiber mitverfolgen, welche Adressen der Surfer besucht und was er dort tut.


Ist man gleichzeitig bei Google oder Facebook eingeloggt, können diese Daten auch noch dem Profil des Nutzers zugeordnet werden. Zusammen mit dem, was sonst im Netz veröffentlicht wird, könne sogenannte Bewegungsprofile erstellt werden.

Kann man sich davor schützen?

Mit Intelligenz: «Erst denken, dann posten», laut Heuers Rat. Was einmal im Netz hochgeladen wird, ist schwer wieder zu löschen. Nutzer können nicht kontrollieren, in welchen Firmendatenbanken Ihre Daten gespeichert werden. Aus Versehen gepostetes Material kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Verweigern, verschleiern und verschlüsseln, lautet Heuers Faustregel.

Verweigern, verschleiern und verschlüsseln, was bedeutet das?

Verweigern bedeutet, aktiv dafür zu sorgen, dass so wenige Daten wie möglich veröffentlicht werden. Verschleiern heißt, Spuren zu beseitigen, etwa indem man mittels spezieller Browser-Plugins Werbefirmen am Tracking hindert. Die Verschlüsselung von Online-Korrespondenz und Daten ist die dritte Säule der Selbstverteidigungsstrategie.

Verweigern, verschleiern und verschlüsseln, wie funktioniert das?

Mehrere Browser benutzen

"Eines der schlimmsten Dinge, die ich tun kann, ist in einem Browser Facebook, Google und alle anderen Dinge laufen zu lassen", sagt Steffan Heuer. Sogar regelmäßiges Löschen von Cookies oder Surfen im Inkognito-Modus verhindern die Verfolgung nicht. "Irgendwo sind immer noch Krümel unterm Teppich", sagt Heuer. Um Facebook und Google an der Überwachung zu hindern, sollten Sie für diese Online-Dienste separate Browser verwenden.

Tracking-Blocker

Blocking-Tools verhindern, dass Internetfirmen und Werbenetzwerke die Aktivitäten des Surfers mitverfolgen. Heuer empfiehlt dafür beispielsweise DoNotTrackMe, Ghostery oder Collusion. Das Firefox-Addon BetterPrivacy kann sogar schwer zu löschende Flash-Cookies entfernen.

Verschlüsselung

E-Mails sollten Sie Heuer zufolge per PGP verschlüsseln. Sie können sonst von Algorithmen mitgelesen werden - etwa um gezielte Werbung zu platzieren. Für Messager-Apps auf Computer und Smartphones sind OTR, Threema, Textsecure, Cryptocat oder Wickr eine Möglichkeit zur Verschlüsselung.

VPN

Virtual Private Networks (VPN) ermöglichen das Surfen über wechselnde IP-Adressen. Surfer können dann nicht über ihre IP-Adresse identifiziert werden. Heuer empfiehlt dafür ZenMate und Hotspotshield.

Falsche Identitäten

Falsche Namen, Geburtsdatum oder Geschlecht machen es für Hacker und Algorithmen schwer, Informationen eindeutig einer Person zuzuordnen und zu missbrauchen.


Heuer warnt davor, Klarnamen zu nutzen; vor allem für soziale Netzwerke, Fotodienste oder Spiele-Apps. Für solche Dienste sind Wegwerf-E-Mailadressen empfehlenswert.

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